Bridge to Liberation

Bridge to Liberation Experience in Arnhem

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Vor 2 Wochen jährte sich wieder die Operation „Market Garden“, bei der die Alliierten die Stadt Arnhem im September 1944 befreit wollten. Ein schwieriges Thema für Deutsche. Ich war im Rahmen des Projektes „Liberation Route“ dazu eingeladen worden, diesen Feierlichkeiten beizuwohnen. Ich gebe zu, ich hatte schon ein mulmiges Gefühl im Magen. Denn ich erinnere mich noch ganz genau, dass während meines Studienaufenthalts in Amsterdam in den Medien immer präsent war, dass Deutsche zur Gedenkfeier am nationalen Befreiungstag (4. Mai) nicht auf dem Dam erscheinen durften. Ich habe das nie wirklich begriffen, denn ich wohnte und studierte doch schließlich in diesem Land. Außerdem lernte ich fleißig Niederländisch, was mir sehr wichtig war. Mit dem Satz „Ich war’s nicht“ will ich erst gar nicht anfangen…

Vorbereitung Bridge to Liberation Experience in Arnhem

Direkt vor der John Frostbrug (der berühmten Brücke von Arnheim) war eine Bühne im Rhein aufgebaut. Hier würde also die Veranstaltung „Bridge to Liberation Experience“ stattfinden. Ich war gespannt. Da ich rasch wieder auf Niederländisch angesprochen wurde, fühlte ich mich dazugehörig.

Gedenkveranstaltung auf dem Airborne Plein in Arnhem

Schottische Dudelsäcke auf der Gedenkfeier in Arnhem

Um 19:00 Uhr fand erstmal auf dem Airborneplein die offizielle Gedenkveranstaltung an die Schlacht um Arnhem statt. Der Platz war gut gefüllt. Als ich ankam, spielten die Schotten auf ihren Dudelsäcken. Eine Musik, die ich nicht mit diesem Ereignis assoziiert hätte. Um das Airborne Monument standen viele Veteranen und regionale Politiker. Repräsentanten aus aller Welt waren anwesend und legten nacheinander Blumenkränze zum Gedenken nieder. Auch Deutsche z.B. aus Gera nahmen an dieser Zeremonie teil. Es beruhigte mich, dass sich die deutsch-niederländischen Beziehungen zu diesem Thema in den letzten Jahren gewandelt hatten. Trotzdem blieb ein mulmiges Gefühl.

Kranzniederlegung am Airborne Plein in Arnhem

Kranzniederlegung durch Deutsche am Airborne Plein in Arnhem

Vom Airborneplein zogen im Anschluss alle Beteiligten zum Rhein, um den Event “Bridge to Liberation Experience” zu erleben. Im VIP-Bereich traf man auf Veteranen aus verschiedenen Ländern, die Royal Air Force, Politiker usw. und mittendrin war nun auch ich. Ich konnte mir nicht wirklich Gedanken darüber, ob ich dorthin passte, denn das Konzert startete kurz nach meiner Ankunft. Das Bühnenprogramm vor einzigartiger Kulisse begann mit einem Lied aus Beethovens 5. Sinfonie und parallel tanzte die ArtEZ Dansacademie auf dem linken Teil der John Frostbrug. Im Vordergrund des Konzerts „Brigde to Liberation Experience“ stand ein Gespräch zwischen einer Oma und ihres Enkels. Zwischen den Dialogen gab’s niederländische und englische Musik, die von bekannten Musikern präsentiert wurde und thematisch in die Geschichte passte.

Bridge to Liberation Experience in Arnhem

Bridge to Liberation Experience in Arnhem

Ein Typ um die 20 fragte seine Großmutter, wie sie die Kriegszeit erlebte. Ältere Menschen sprechen ungern darüber, das ging mir mit meinen Großeltern auch so. Seine Oma war damals 15 und das erste Mal verliebt. Thijs nahm natürlich an, dass es sich um seinen Opa handeln musste. Mir war sofort der Hintergrund zum Namen „Hans“ klar, dass er weder sein Opa noch Niederländer war. Auch wenn die Geschichte der ersten großen Liebe zwischen der 15jährigen Niederländerin und dem 18jährigen deutschen Soldaten wie erwartet tragisch endete, fand ich sie wunderschön. Sie transportierte sehr gut das Thema „Liebe & Freiheit“ der Veranstaltung und ist heutzutage aktueller denn je.

Bridge to Liberation Experience in Arnhem

Bridge to Liberation Experience in Arnhem

Ein Wehrmutstropfen gab’s trotzdem. Die Geschichte wurde nur auf Niederländisch erzählt, was sehr schade war. Im VIP-Bereich wurde alles auf einer Leinwand präsentiert und da hätte eine Untertitelung zum Verständnis aller Gäste geführt. Eine englische Übersetzung gab es nur im Begleit-Booklet der Veranstaltung. Gut, für mich war es kein Problem – im Gegenteil: ich konnte mal wieder richtig in die Sprache eintauchen, was mir nach 3 Monaten Abstinenz echt fehlte… Die Geschichte war natürlich direkt an die niederländische Jugend gerichtet: vergesst die Geschichte nicht, aber auch in Zeiten wie jetzt zählt einfach nur die Liebe und Freiheit.

Bridge to Liberation Experience in Arnhem

Bridge to Liberation Experience in Arnhem

Mein Fazit eines sehr emotionalen Abends: ich war genau am richtigen Platz. Es gibt für mich nicht mehr den Unterschied zwischen Deutschen und Niederländern, denn sie verstehe beide. Ich fühle mich als Europäerin. Wir müssen der Geschichte gedenken, allerdings nicht im Sinne vom „bösen“ Deutschen und „guten“ Niederländer. Das ist dem Konzert „Bridge to Liberation Experience“ sehr gut gelungen.

voor liefde & vrijheid | für Liebe & Freiheit

Hinweis: Zum Besuch des Events “Brigde to Liberation Experience” wurde ich von Liberation Route Europe eingeladen. Der Artikel gibt meine eigene Meinung wieder.

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